
Als Autorin muss man ja ständig kreative Auswege aus schwierigen Situationen finden, in die man seine Protagonisten selbst gebracht hat. Du hast deine Helden kurz vor ihrem Ziel in eine Falle laufen lassen, um es spannender zu machen? Tja, und nun müssen sie aber auch möglichst lebendig und am besten noch kreativ und überraschend wieder herausfinden. Und im Idealfall setzen sie dabei ihre speziellen Fähigkeiten ein, denn die hast du ihnen ja nicht nur gegeben, damit sie auf ihrer Charakterkarte gut aussehen.
Also warum nicht zur Magie greifen? Magie kann schließlich, was immer du willst. Also kurz mit dem Finger geschnipst, und schon ist das Türschloss pulverisiert, der Gegner K.O. und die Gefährten auf der anderen Seite der Mauer. Das Dumme ist nur: Wenn es hier und jetzt funktioniert, dann funktioniert es prinzipiell auch jederzeit und überall woanders. Und damit schießt man sich als Autor leicht selbst ins Knie.
Denn was passiert, wenn magische Fähigkeiten zu mächtig sind? Dann wird deine Welt entweder sehr unlogisch oder sehr langweilig. Dass es trotzdem funktionieren kann, zeigt Harry Potter auf ganz wunderbare Weise, aber da spielt es keine Rolle, dass die Magie eben einfach„magisch“ ist, und uns als geneigten Lesern ist es egal, dass nicht einfach alle ihre Probleme dadurch lösen, dass sie ständig in der Zeit zurückspringen.
Will man jedoch Fantasy für Erwachsene schreiben, dann sind Konsistenz und innere Logik normalerweise unabdingbar. Und ein Magiesystem, das aus jedem Magier eine Mary Su macht, die alles kann, alles weiß und für alles eine schnelle Lösung hat, macht jede Spannung zunichte. Denn spannend ist nur, was auch für den größten Helden schwierig bleibt, was scheitern kann, und was Risiken birgt.
Das heißt nicht, dass jedes Detail des Weltenbaus, jede Konsequenz und jede erfundene Fähigkeit 100% realistisch sein muss. Immerhin soll Fantasy trotz aller Ansprüche für die meisten Leser und auch für mich als Autorin vor allem der Unterhaltung dienen.
Was folgt nun daraus für die Frage, was ein gutes Magiesystem leisten muss? Es muss vor allem:
Magie wird außerdem interessanter, wenn sie auch unbequeme Konsequenzen hat. Sie muss nicht immer gleich den Magier umbringen, der sie einsetzt. Aber ein gutes Magiesystem gewinnt durch persönliche Risiken, Gefahren für die Allgemeinheit und Auswirkungen auf die Gesellschaft.
Im Buch der fünf Schlüssel hat Magie viele Erscheinungsformen und wird von den einzelnen Völkern auf unterschiedliche Weise genutzt. Grundprinzip ist das Satar, eine Art magischer Energie, die von menschlichen Zauberern durch Handbewegungen kanalisiert wird, und deren Wirkung mit größerer Entfernung schnell abnimmt. Wie mächtig jemand ist, hängt dabei von angeborenem Talent und von seiner Ausbildung ab. Und auch der fähigste Zauberer ist irgendwann erschöpft.
Mit Licht, Feuer, Blitz, Energiefeld und Illusion steht ein überschaubares Set von Möglichkeiten zur Verfügung, das aus einem magiebegabten Menschen kein übermächtiges Wesen macht, mir als Autorin aber zusätzliche Optionen bietet. Die Herausforderung besteht darin, für jede einzelne Szene darüber nachzudenken, welche Konsequenzen sich daraus für die Handlung ergeben und wie sich die Existenz von Magie im alltäglichen Leben auswirkt. Das ist besonders wichtig in einer Welt, in der Zauberer und Hexen kein seltenes Einzelphänomen sind, sondern einen nennenswerten Prozentsatz der Bevölkerung ausmachen.